Ein Leben für Fürst

Manfred Kaiser: „Langweilig darf es mir nicht werden“ Von Ehrgeiz, Erfolg und beruflicher Hingabe

Es ist eine spannende Geschichte, die von unternehmerischem Ehrgeiz, dem richtigen Gespür für Erfolg, harter Arbeit und beruflicher Hingabe erzählt. Vor 49 Jahren hat Manfred Kaiser die Firma Fürst übernommen und zu einem großen mittelständischen Unternehmen, der Moritz Fürst GmbH & Co. KG, ausgebaut. Bis heute lässt den Seniorchef das Unternehmen nicht los. Wenn er nicht verreist ist, kommt er selbst mit 87 Jahren noch drei Mal in der Woche in sein Büro und freut sich, wenn er sieht, dass „der Laden läuft“.

Es war im Januar 1969, als Manfred Kaiser eine Entscheidung traf, die sein Leben prägen sollte. Der gelernte Metzger und Kaufmann war schon damals geschäftstüchtig und verkaufte Chemieprodukte, Maschinen und Reinigungsgeräte an die Gebäudereinigungsbranche, auch an die Firma Fürst. 200.000 Mark schuldete der Inhaber von Fürst Manfred Kaiser. Der Betrieb konnte nicht zahlen, die Firma war bankrott. Kaiser stand vor der Wahl, sein Geld zu verlieren oder die Firma selbst zu übernehmen. Er entschied sich für eine Übernahme. 

„Es war eine schwierige Lage“, blickt er heute zurück. Das Kassenbuch war nicht geführt worden, die Post lag seit Monaten ungeöffnet herum, Schuldscheine standen auf Bierdeckeln. „Das größte Problem aber war, dass der ehemalige Besitzer seinen Mitarbeitern für 300.000 Mark eine betriebliche Altersvorsorge ausgewiesen hatte“, erinnert sich Manfred Kaiser. Der frischgebackene Firmeninhaber konnte seine Mitarbeiter überzeugen, auf die Rentenversicherung zu verzichten. Die Arbeitsplätze waren gesichert.

An einen Tag erinnert sich Manfred Kaiser bis heute ganz genau. „Damals wusste ich nicht, dass mein Schicksal an einem seidenen Faden hängt“, erzählt der Seniorchef. Manfred Kaiser war kurz nach der Firmenübernahme im Finanzamt Ost um eine Forderungspfändung zu begleichen, als er an einer Tür das Namensschild eines alten Freundes entdeckte. Spontan entschied er sich zu einem Kurzbesuch und rettete damit, ohne es zu wissen, die Existenz der Firma. „Manfred, es ist Dein Glück gewesen, dass Du zu mir hereingeschaut hast. Die Firma Fürst wäre am nächsten Tag zur Fahndung ausgeschrieben worden“, informierte ihn der Oberregierungsrat. Der Jungunternehmer bezahlte das Geld. Die Fahndung wurde gestoppt. „Dieser Tag nimmt in meinem Leben eine Schlüsselstelle ein“, sagt Manfred Kaiser heute.

Von da an ging es mit der Moritz Fürst GmbH & Co. KG kontinuierlich bergauf. Bei der Übernahme hatte der Betrieb 60 Mitarbeiter, nach einem Jahr waren es bereits 1.000. Seinen unternehmerischen Erfolg schreibt Manfred Kaiser einer im Reinigungsgewerbe damals noch unüblichen und von ihm neu eingeführten Strategie zu. Um dem starken Konkurrenzdruck standhalten zu können, entschied er sich, die Angebote transparent und vergleichbar zu gestalten. Der Erfolg dieser Maßnahme griff schneller als erwartet: Die Firma platzte aus allen Nähten.

Allein ein Betriebsgebäude fehlte. Das ehemalige Haus in der Kunigundenstraße war von der Sparkasse verpfändet worden. Doch Manfred Kaiser ließ sich nicht unterkriegen und zog 1969 für drei Jahre mit seiner Firma vorübergehend in sein Privathaus nach Thon. Er brachte das Lohnbüro in der Diele unter, das Lager zog im Keller und in der Garage ein. „Es war ein unhaltbarer Zustand“, blickt er zurück. Als die Moritz Fürst GmbH & Co. KG schließlich 1972 Räume in der Fenitzerstraße bezog, zählte das Unternehmen bereits 2.500 Mitarbeiter. Beim Umzug in die heutige Hauptverwaltung im Jahr 1996 in Ziegelstein waren es 4.000 Mitarbeiter.

Doch auch, wenn es mit dem mittelständischen Unternehmen stetig bergauf ging, einfach war es freilich nicht immer. „Es war immer ein Kampf. Doch trotz aller Höhen und Tiefen hat die Arbeit immer Spaß gemacht. Ich war ein Profireiniger mit Herz und Verstand“, sagt der 87-Jährige heute über sich und er fügt hinzu: „Einen erfolgreichen Unternehmer macht ein von Bescheidenheit geprägter Führungsstil aus.“ Sein Erfolgsrezept: „Kompetenz, Ehrlichkeit und Klarheit. Ein Firmeninhaber muss sich aber vor allem auch sozial einbinden und die Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern ernst nehmen“, lautet Manfred Kaisers Devise. 

Einen weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte markiert das Jahr 2005. Damals stieg die Tochter des Firmeninhabers, Christine Bruchmann, in das Unternehmen ein. Ein Glücksfall sei dies für die Firma gewesen, blickt Manfred Kaiser zurück. „Um den Familienbetrieb zu erhalten, hat sich meine Tochter trotz ihrer steilen Karriere entschlossen, das Unternehmen zu leiten. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar.“

Auch wenn der Seniorchef heute keine operative Verantwortung mehr trägt, kommt er dennoch gerne in sein Büro. Nach wie vor schätzt er den Austausch mit Mitarbeitern, die ihm ein Leben lang die Treue gehalten haben. Darunter ist auch Dolores Volkert. Die 58-Jährige hat einst mit 18 Jahren eine Lehre bei Fürst begonnen. Sie denkt gerne an die Jahre mit ihrem Chef zurück. „Er hat mich beruflich großgezogen. Damals saßen wir ja noch in kleinen Räumen am Fenitzerplatz. Es war eine schöne Zeit“, erzählt Volkert. Manfred Kaiser sei immer zu allen fair und freundlich gewesen. „Er hatte eine harte Führung, konnte aber auch loben“, erinnert sich Volkert. Und: „Er hielt uns immer dazu an, sparsam zu sein und nichts zu verschwenden.“

Trotz aller Hingabe war die Firma nicht alles im Leben von Manfred Kaiser. Mit der gleichen Leidenschaft, wie er sein Unternehmen geführt hat, reist er seit Jahrzehnten durch die Welt. Seine Begeisterung für andere Länder hat ihn bis nach Alaska geführt. Zusammen mit seiner Frau und Freunden hat Manfred Kaiser aber auch mit dem Geländewagen die Mongolei und Afrika durchquert und im Basiscamp des Mount Everests auf 5.300 Meter Höhe gezeltet. Bis heute geht er zum Skilaufen, Radeln und Segeln. „Es gibt mir viel“, erzählt der umtriebige Seniorchef. Er schmiedet bereits neue Pläne. Denn eines ist klar. „Langweilig darf es mir nicht werden“, sagt er und lacht.

Beitrag Teilen

Tags